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10 häufige Fehler bei Penetrationstests und wie man sie vermeidet

SecTepe Redaktion
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10 Min. Lesezeit

Penetrationstests sind ein unverzichtbares Werkzeug zur Bewertung der Sicherheitslage eines Unternehmens. Wenn sie richtig durchgeführt werden, decken sie kritische Schwachstellen auf und liefern wertvolle Erkenntnisse zur Verbesserung der Sicherheitsarchitektur. Doch in der Praxis schleichen sich häufig Fehler ein, die den Nutzen eines Penetrationstests erheblich mindern oder sogar kontraproduktiv sein können. In diesem Artikel beleuchten wir die zehn häufigsten Fehler und zeigen, wie Sie diese vermeiden.

Fehler 1: Unklare Zielsetzung und fehlender Scope

Der wohl grundlegendste Fehler ist der Start eines Penetrationstests ohne klar definierte Ziele und einen präzisen Scope. Was genau soll getestet werden? Welche Systeme sind im Scope, welche nicht? Welche Angriffsvektoren sollen betrachtet werden? Ohne klare Antworten auf diese Fragen besteht die Gefahr, dass der Test entweder zu oberflächlich bleibt oder an der falschen Stelle ansetzt. Ein detailliertes Scoping-Dokument, das gemeinsam mit dem Pentesting-Dienstleister erstellt wird, ist die Grundlage für einen erfolgreichen Test.

Fehler 2: Den falschen Pentest-Typ wählen

Penetrationstest ist nicht gleich Penetrationstest. Die Wahl zwischen Black-Box-, Grey-Box- und White-Box-Testing hat erheblichen Einfluss auf die Ergebnisse. Ein Black-Box-Test simuliert einen externen Angreifer ohne Insiderwissen, liefert aber möglicherweise nicht die tiefgreifendsten Ergebnisse. Ein White-Box-Test mit vollständigem Zugang zum Quellcode und zur Dokumentation ermöglicht eine tiefere Analyse, entspricht aber weniger einem realistischen Angriffsszenario. Die Wahl des richtigen Ansatzes hängt von Ihren spezifischen Zielen und Ihrem Reifegrad ab.

Fehler 3: Automatisierte Scans als Pentest verkaufen lassen

Ein häufiger Irrtum besteht darin, automatisierte Schwachstellenscans mit einem Penetrationstest gleichzusetzen. Automatisierte Tools wie Nessus, Qualys oder OpenVAS sind zwar wertvolle Werkzeuge, die einen ersten Überblick über bekannte Schwachstellen liefern, ersetzen aber keinesfalls die manuelle Prüfung durch erfahrene Pentester. Nur ein erfahrener Tester kann Schwachstellen im Kontext bewerten, Angriffsketten identifizieren und Business-Logic-Fehler aufdecken, die kein Scanner findet. Achten Sie darauf, dass Ihr Dienstleister einen echten manuellen Penetrationstest durchführt und nicht nur ein Tool-Ergebnis als Bericht liefert.

Fehler 4: Unzureichende Kommunikation und Koordination

Ein Penetrationstest ist keine isolierte Aktivität – er erfordert enge Koordination zwischen dem Pentesting-Team und dem Auftraggeber. Fehlende Kommunikation kann dazu führen, dass der Test unbeabsichtigt Produktivsysteme beeinträchtigt, wichtige Ansprechpartner im Notfall nicht erreichbar sind oder der SOC das Pentesting-Team versehentlich blockiert. Stellen Sie sicher, dass ein Kommunikationsplan etabliert wird, der Notfallkontakte, Eskalationswege und Testfenster klar definiert.

Fehler 5: Zu geringe Testtiefe und Zeitbudget

Ein Penetrationstest unter Zeitdruck liefert zwangsläufig suboptimale Ergebnisse. Wenn das Budget nur für einen Tag reicht, kann der Tester allenfalls die offensichtlichsten Schwachstellen identifizieren. Komplexe Angriffsketten, die ein echter Angreifer über Wochen oder Monate aufbauen würde, bleiben unentdeckt. Planen Sie ein realistisches Zeitbudget ein, das der Komplexität Ihrer Umgebung entspricht. Ein aussagekräftiger Penetrationstest für eine mittelgroße Webanwendung erfordert typischerweise mindestens fünf bis zehn Manntage.

Fehler 6: Nur externe Tests durchführen

Viele Unternehmen fokussieren sich ausschließlich auf externe Penetrationstests und vernachlässigen die interne Perspektive. Dabei gehen über 60 Prozent der Datenverletzungen auf Insider-Bedrohungen oder kompromittierte interne Konten zurück. Ein interner Penetrationstest simuliert einen Angreifer, der bereits Zugang zum Netzwerk hat – sei es durch einen kompromittierten Mitarbeiter, einen erfolgreichen Phishing-Angriff oder physischen Zugang. Die Kombination aus externem und internem Test liefert das vollständigste Bild Ihrer Sicherheitslage.

Fehler 7: Ergebnisse nicht in den Kontext setzen

Ein Pentest-Bericht, der lediglich eine Liste von Schwachstellen mit CVSS-Scores aufführt, ist wenig hilfreich. Entscheidend ist die kontextuelle Bewertung: Welches Risiko stellt die Schwachstelle für Ihr spezifisches Geschäft dar? Kann sie im Zusammenspiel mit anderen Schwachstellen zu einem kritischen Angriffspfad führen? Welche konkreten Auswirkungen hätte eine Ausnutzung? Ein guter Pentesting-Bericht priorisiert Findings nach geschäftlichem Risiko und liefert konkrete, umsetzbare Handlungsempfehlungen.

Fehler 8: Keine zeitnahe Behebung der Findings

Der wertvollste Pentest-Bericht nützt nichts, wenn seine Empfehlungen nicht umgesetzt werden. Erschreckend häufig landen Pentest-Reports in der Schublade, ohne dass die identifizierten Schwachstellen behoben werden. Etablieren Sie einen klaren Prozess für das Schwachstellenmanagement: Weisen Sie Verantwortlichkeiten zu, definieren Sie Fristen basierend auf der Kritikalität und führen Sie Retests durch, um die erfolgreiche Behebung zu verifizieren.

Fehler 9: Pentests als einmalige Aktivität betrachten

Die Bedrohungslandschaft und die IT-Umgebung eines Unternehmens verändern sich kontinuierlich. Neue Systeme werden eingeführt, Software wird aktualisiert, neue Schwachstellen werden entdeckt. Ein Penetrationstest ist daher keine einmalige Angelegenheit, sondern sollte regelmäßig durchgeführt werden – mindestens jährlich oder nach wesentlichen Änderungen an der IT-Infrastruktur. Nur so können Sie sicherstellen, dass Ihre Sicherheitsmaßnahmen mit der sich ständig verändernden Bedrohungslage Schritt halten.

Fehler 10: Den falschen Dienstleister wählen

Die Qualität eines Penetrationstests steht und fällt mit der Kompetenz des durchführenden Teams. Achten Sie bei der Auswahl Ihres Dienstleisters auf anerkannte Zertifizierungen wie OSCP, OSCE, CREST oder eWPT, auf nachgewiesene Erfahrung in Ihrer Branche und auf transparente Methodik. Fordern Sie Referenzen an und lassen Sie sich einen Beispielbericht zeigen, um die Qualität der Dokumentation zu bewerten. Der günstigste Anbieter ist selten der beste – investieren Sie in Qualität, denn ein minderwertiger Pentest kann ein trügerisches Gefühl der Sicherheit erzeugen.

Fazit

Penetrationstests sind ein mächtiges Werkzeug – wenn sie richtig eingesetzt werden. Durch die Vermeidung der genannten Fehler maximieren Sie den Nutzen Ihrer Investition und erhalten belastbare Ergebnisse, die Ihre Sicherheitslage tatsächlich verbessern. SecTepe führt professionelle Penetrationstests durch, die auf Ihre individuellen Anforderungen zugeschnitten sind und Ihnen klare, umsetzbare Handlungsempfehlungen liefern.